Warum du so streng mit dir selbst bist – und wie Selbstmitgefühl entstehen kann
- Bianca Hilty

- vor 15 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Kennst du das?
Ein kleiner Fehler. Ein Satz, den du im Nachhinein anders formuliert hättest. Eine Entscheidung, die nicht so ausgegangen ist, wie du gehofft hast. Und sofort meldet sich diese innere Stimme: "Das hätte dir nicht passieren dürfen.", "Du bist einfach nicht gut genug.", "Andere schaffen das doch auch."
Interessant ist dabei oft etwas anderes: Mit einem guten Freund oder einer guten Freundin würdest du wahrscheinlich ganz anders sprechen. Warum also nicht mit dir selbst?
Der innere Kritiker will dich selten verletzen
Viele Menschen wünschen sich, ihren inneren Kritiker endlich loszuwerden. Doch was wäre, wenn dieser Anteil ursprünglich gar nicht gegen dich arbeitet? Vielleicht hat er einmal versucht, dich zu schützen: vor Ablehnung, vor Kritik, vor Enttäuschungen, vor dem Gefühl, nicht dazuzugehören.
Dann wird aus einer schützenden Stimme mit der Zeit eine sehr strenge Begleiterin. Nicht weil sie dich klein machen möchte, sondern weil sie glaubt, dich dadurch sicherer zu machen.
Warum wir mit anderen oft liebevoller umgehen als mit uns selbst
Stell dir vor, ein Mensch, den du liebst, macht einen Fehler. Würdest du ihm sagen: "Du bist wertlos."
Wahrscheinlich nicht. Du würdest versuchen, zu verstehen. Du würdest Trost spenden. Du würdest Mut machen. Viele Menschen schenken genau diese Haltung allen anderen.
Nur sich selbst nicht.
Selbstmitgefühl bedeutet nicht, Ausreden zu suchen
Ein häufiges Missverständnis ist, dass Selbstmitgefühl bequem macht. Doch Selbstmitgefühl bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Es bedeutet auch nicht, Fehler schönzureden. Es bedeutet vielmehr, sich selbst mit derselben Menschlichkeit zu begegnen, die wir anderen ganz selbstverständlich schenken. Gerade dadurch entsteht oft die Kraft, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich dabei selbst abzuwerten.
Härte verändert selten nachhaltig
Viele glauben: "Wenn ich streng genug mit mir bin, werde ich mich endlich verändern."
Kurzfristig kann Druck tatsächlich Bewegung erzeugen. Langfristig führt er jedoch oft zu Erschöpfung, Perfektionismus oder dem Gefühl, nie zu genügen. Veränderung entsteht aus meiner Erfahrung nachhaltiger dort, wo Verständnis wächst. Nicht, weil wir uns alles erlauben, sondern weil wir uns erlauben, Mensch zu sein.
Mein Blick auf Selbstmitgefühl
Für mich ist Selbstmitgefühl keine Technik, es ist eine Haltung. Eine Einladung, sich selbst nicht länger ausschliesslich durch Leistung, Fehler oder Erwartungen zu bewerten. Ich glaube, dass wir erst dann wirklich wachsen können, wenn wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen. Denn Verständnis ist kein Gegensatz zu Entwicklung, es ist oft ihr Anfang.
Impuls für deinen Weg
Nimm dir einen Moment Zeit und frage dich:
Wie spreche ich mit mir, wenn etwas nicht gelingt?
Würde ich dieselben Worte zu einem Menschen sagen, den ich liebe?
Was würde sich verändern, wenn ich mir heute mit etwas mehr Freundlichkeit begegnen würde?
Vielleicht beginnt Selbstmitgefühl nicht mit einer großen Veränderung. Vielleicht beginnt es mit einem einzigen neuen Satz an dich selbst.
Die Art, wie wir mit uns selbst sprechen, prägt unser Leben oft stärker als jede äussere Kritik. Selbstmitgefühl bedeutet nicht, weniger von sich zu erwarten. Es bedeutet, sich auch dann mit Würde zu begegnen, wenn das Leben nicht perfekt verläuft. Denn Wachstum braucht nicht nur Mut, es braucht auch Freundlichkeit.
Möchtest du lernen, liebevoller mit dir selbst umzugehen?
Wenn du merkst, dass dein innerer Kritiker sehr laut geworden ist oder du dich selbst ständig unter Druck setzt, begleite ich dich gerne dabei, die Ursachen dahinter zu verstehen. Denn manchmal verändert sich unser Leben nicht dadurch, dass wir härter werden – sondern dadurch, dass wir uns selbst wieder mit mehr Mitgefühl begegnen.
Häufige Fragen
Was ist Selbstmitgefühl?
Selbstmitgefühl bedeutet, sich selbst mit Verständnis, Freundlichkeit und Menschlichkeit zu begegnen – besonders in schwierigen Momenten oder nach Fehlern.
Ist Selbstmitgefühl dasselbe wie Selbstmitleid?
Nein. Selbstmitleid hält uns oft im Gefühl der Hilflosigkeit fest. Selbstmitgefühl hilft uns, unsere Gefühle anzunehmen und gleichzeitig Verantwortung für unser Leben zu übernehmen.
Kann man Selbstmitgefühl lernen?
Ja. Selbstmitgefühl ist eine innere Haltung, die sich entwickeln lässt. Häufig beginnt sie damit, den eigenen inneren Dialog bewusster wahrzunehmen und schrittweise zu verändern.





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